Würdigung Edgar Vital (1883 – 1970)

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Würdigung

Dr. Beat Stutzer, Direktor Bündner Kunstmuseum 4.9.07

Edgar Vital (1883-1970), der in Ftan als Maler, Zeichner und Illustrator wirkte, gehört zu den wichtigen Exponenten einer figurativen Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhun­derts. Auch wenn er sich auf Grund biografischer Umstände über weniger Resonanz erfreuen konnte als manche andere seiner Generation, ist sein künstlerisches Schaffen nicht unbedeutend und als wesentlicher Beitrag zur Landschafts- und Bildnismalerei Graubündens zu werten.

Die Bedeutung Edgar Vitals manifestiert sich nicht zuletzt im Umstand, dass er 1936 neben den Malern Leonhard Meisser, Turo Pedretti, Ernst Rinderspacher, Etienne Tach und Giacomo Zanilari zu den Gründungsmitgliedern der Bündner Sektion der GSMBA (Gesellschaft Schweizer Maler, Bild­hauer und Architekten) gehörte – also als Professioneller seiner Zunft galt. An eine breitere Öffentlichkeit ist Edgar Vital anlässlich von zwei Ausstellungen von 1929 und 1954 im Bündner Kunstmuseum getreten.1 Später haben sich in erster Linie der Sammler Hans Fontana und der Kunsthistoriker Ulrich Christoffel mit dem Werk Vitals beschäftigt und darüber publiziert.2

Leider ist das Schaffen von Edgar Vital in letzter Zeit jedoch kaum noch rezipiert und seine Werke sind bloss noch spärlich gezeigt worden.3 Der Stellenwert von Vitals Œuvre ist aber nicht zuletzt daran zu messen, dass das Bündner Kunstmuseum in Chur immerhin ein stattliches Ensemble von vierzehn Gemälden Vitals in seiner Sammlung verwahrt (auch wenn diese zur Zeit wegen Platzmangel nicht ausgestellt sind), wobei deren sechs erst vor kurzem, im Jahre 2002, hinzugewonnen wurden.

Das umfangreiche Konvolut von Gemälden, Zeichnungen und Illustrationen Edgar Vitals, das Hans Fontana während langer Sammlertätigkeit im Laufe der Zeit zusammengetragen hat, zeichnet sich nicht nur durch eine hohe Qualität aus, sondern spiegelt zugleich das sammlerische Interesse Fontanas. Dieser Bestand umfasst nicht nur motivische Variationen (Landschaften, Figurenbilder, Porträts), sondern auch chronologisch fast das ganze Spektrum von der Frühzeit bis zu den ganz späten Jahren. Es handelt sich um einen einzigartigen Bestand, dem man Sorge tragen und den man nach Möglichkeit (vorerst) unbedingt zusammenhalten sollte.

1 Ausstellung von Gemälden Edgar Vital, Fetan, 1929 (Kat.).-Edgar Vital. Otto Braschler, Gedächtnisausstellung Gacomo Zanolari, 1954

2Hans Fontana, Edgar Vital. Mit einem Beitrag von Peter Barblan. Arbon: Eichen 1958.-Hans Fontana, Edgar Vital Zeichnungen und Skizzen. Mit einem Beitrag von Ulrich Christoffel. Glarus: Tschudi 1969.-Ulrich Christoffel, Edgar Vital, in: „Bündner Jahrbuch 1971“, Neue Folge, 13. Jg., Chur: Bischofberger o.J., S. 174.

3 Siehe Ausst.-Kat. Das Oberengadin in der Malerei. L’Engadina alta nella pittura. The Engadine in Painting. Segantini Museum, St. Moritz